Charms, Daniil: Fälle

Daniil Charms (1905-1942) ist, darin sind sich die Experten heute einig, einer der größten Dichter der russischen Literatur des XX. Jahrhunderts, mit seinem abgründigen Humor steht er in einer Reihe mit Aleksandr Puškin, Gogol und Anton Čechov. Sein Werk, in Deutschland auszugsweise seit 1970 bekannt und in der Friedenauer Presse immer wieder vertreten (1983: Geschichten von Himmelkumov und anderen Persönlichkeiten, 1988: Briefe aus Petersburg 1933, 1992: Die Kunst ist ein Schrank. Aus den Notizbüchern), war im deutschen Sprachraum lange nicht mehr greifbar, und wenn, dann nur in versprengten Ausgaben. Wollte man die Geschichte der Charms-Rezeption – in Rußland wie in Deutschland – in ihren Einzelheiten nacherzählen, es ergäbe eine so groteske wie gespenstisch paradoxe Geschichte ganz im Geiste des Autors. Um diesem Mißstand abzuhelfen und dem deutschen Leser wieder einen Zugang zu Charms’ Werk zu eröffnen – dessen Todestag sich übrigens im Jahr 2002 zum 60. Mal jährt -, gibt die Friedenauer Presse eine repräsentative und preiswerte Auswahl seines Werks heraus (das, wenn die russische Gesamtausgabe abgeschlossen vorliegt, einschließlich der jetzt transkribierten 33 Notizbücher fünf eher schmale Bände umfassen wird).

Zusammengestellt und übertragen hat sie Peter Urban, der Daniil Charms für den deutschen Sprachraum entdeckt und mit seinen in Geist und Witz wahrhaft adäquaten Übertragungen auch die gebührende Anerkennung verschafft hat. Es sei noch längst nicht ausgemacht, so der Herausgeber Peter Urban, ob nicht Charms, entgegen den offiziell geförderten »sozialistischen Realisten«, der wahre Realist des sozialistischen Alltags gewesen ist, zu Lebzeiten und lange danach. Der hintergründig-absurde Humor dieses Œuvres ist so lebendig wie am Tag seiner Niederschrift und wird lebendig bleiben wie der eines? Čechov – dem Charms mehr verdankt, als man gemeinhin denkt.

«Unter allen Drogen ist diese hier die beste. Wer einmal Daniil Charms ausprobiert hat, wird ihn nicht mehr vergessen und nach mehr verlangen – denn mit diesem Dichter ist fast alles auszuhalten… Sechzig Jahre nach Charms’ Tod ist das Exemplarische seiner Dichtung für das zwanzigste Jahrhundert evident. Einen vergleichbaren Rang besitzt unter Charms’ westeuropäischen Generationsgenossen allenfalls Beckett.»

Ingo Schulze, FAZ

Daniil Charms

Fälle

Aus dem Russischen übersetzt und herausgegeben von Peter Urban.

260 S. / Gebunden
ISBN 978-3-932109-26-3

18,50 €

Nicht vorrätig

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