Clean, Paul; Einhorn, Erich: Einhorn: du weißt um die Steine...

Erich Einhorn (1920-1974) gehörte in den Kinder- und Jugendjahren zum engen Freundeskreis von Paul Celan: die gleiche Sprache – jenes extraterritoriale Deutsch der k.u.k.-Monarchie, das auch die Sprache Kafkas, Joseph Roths u. a. war – und die gleiche politische Einstellung verband sie: gemeinsam haben sie den Aufstand der Wiener Arbeiter im Februar 1934 und den spanischen Bürgerkrieg verfolgt. Sie teilten wohl auch, unausgesprochen, die Erfahrung des Grauens, mit der sie, wie alle Überlebenden der Massenvernichtung, in der hektischen »Normalität« der Nachkriegszeit aufs schrecklichste einsam waren. In Celans 1955 erschienenen Gedicht Schibboleth steht der Name des Freundes für »Erinnerung« – die konkreten Erinnerungen sowohl wie das Erinnern selbst – in der »Fremde der Heimat:«»… Einhorn: / du weißt um die Steine, / du weißt um die Wasser, / komm, / ich führ dich hinweg / zu den Stimmen / von Estremadura.« Celan ging nach dem Krieg zunächst nach Wien, 1948 nach Paris, wo er sich 1970 das Leben nahm. Erich Einhorn blieb in Rußland und arbeitete seit 1950 in Moskau als Übersetzer und Redakteur. Seine Tochter beschreibt ihn als »wortkargen, verbitterten Moskauer Intellektuellen«, der sich keinerlei Illusionen mehr machte. Doch er war mit vielen Literaten und Musikern befreundet, kannte die Witwe von Osip Mandelstam, Ilja Ehrenburg und den Komponisten Philip Herschkowitz, der auf seine Anregung hin einige Gedichte Celans vertonte, und setzte sich sehr für die Übersetzung und Publikation von Celans Gedichten in der Sowjetunion ein. Hauptgegenstand des Briefwechsels ist denn auch die Literatur. Nirgends sonst wird, zumindest für den nichtphilologischen Leser, so deutlich, wie vertraut Celan mit der russischen Literatur war und wie sehr sie ihm, lange Zeit, als geistige Heimat galt. Der Briefwechsel zwischen Paul Celan und seinem gleichaltrigen Jugendfreund Erich Einhorn umfaßt 16 Briefe, geschrieben zwischen 1944 und 1967. Die Tochter Einhorns, Marina Dmitrieva-Einhorn, hat die Briefe aus dem Archiv ihres Vaters 1995 aus Russland mitgebracht, ausführlich kommentiert und mit einem Nachwort versehen.

Paul Celan, Erich Einhorn

Einhorn: du weißt um die Steine…

Herausgegeben und kommentiert von Marina Dmitrieva-Einhorn.
32 S. / fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-932109-21-8
vergriffen
12,00 €

Nicht vorrätig

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