Pavlovic, Miodrag: Usurpatoren des Himmels

Während Kušturica seinen Film Underground mit der gespenstischen Szene beginnt, in der die Tiere des 1941 von der deutschen Wehrmacht bombardierten Zoologischen Gartens durch Beograds Straßen irren, setzt Miodrag Pavlović, der Doyen der serbischen Gegenwartslyrik, dieselbe – verbürgte – Szene ans Ende seiner Erinnerungen Usurpatoren des Himmels. Der schmale Band erschien in Jugoslawien im April 2000, auf den Tag genau ein Jahr nach Beginn des Natobombardements. Der Zeitpunkt des Erscheinens ist mit Bedacht gewählt: Die neuerliche Bombardierung der Stadt war Pavlović Anlaß, seine Erinnerungen niederzuschreiben.1941 war Miodrag Pavlović dreizehn Jahre alt. Die Erinnerung an diese Zeit mit einem Abstand von sechzig Jahren aufzuschreiben, mag gewagt erscheinen – doch die Erinnerun­gen sind frisch und wach bis heute. Und Pavlović reflektiert sie auf mehreren Ebenen: Da ist die Frage, wie menschliche Erinnerung funktioniert; die Frage, ob das Bewußtsein eines Dreizehnjährigen etwas so Zerstörerisches, Niedagewesenes einzuordnen und zu verarbeiten vermag wie einen Feuersturm, der die ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Da ist die Frage, wie wahrhaftig die damaligen Empfindungen und Gefühle dargestellt werden können. Da ist schließlich – nach einem langen Leben bitterer Erfahrungen unter wechselnden politischen Bedingungen immer wieder die Frage, was nach Kriegsende hätte anders werden können und müssen, als es dann gekommen ist. Ein stiller, nachdenklicher und, bei allem Grauen, ein dichter poetischer Text. Ein leiser Appell auch an uns, unsere Geschichte nicht zu verdrängen, sondern sie zu erinnern; ein Appell, der um so nachdrücklicher wirkt, je leiser und trauriger er daherkommt.

Miodrag Pavlovic

Usurpatoren des Himmels

Aus dem Serbischen übersetzt und herausgegeben von Peter Urban. Umschlag-Entwurf von Horst Hussel
120 S. / Fadengeheftete französische Broschur.
ISBN 978-3-932109-20-1
vergriffen
16,00 €

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