Penndorf, Helmar/Schulze, Ingo: Von Nasen Faxen und Ariadnefäden

Helmar Penndorf, geboren am 10.6.1945 in Altenburg, studierte in Leipzig Kunsterziehung und Kunstgeschichte, arbeitete seit 1971 am Lindenau-Museum in Altenburg, wo er die Graphische Sammlung betreute und zahlreiche Ausstellungen gestaltete. Seine künstlerisch inspirierte Arbeitsweise und seine sensiblen Texte zur Gegenwartskunst trugen wesentlich zum Ruf des Lindenau-Museums bei. In den letzten Lebensmonaten wurde ihm seine eigene Zeichenkunst wieder wichtig; er starb am 7.2.1993. Ingo Schulze, geboren am 15.12.1962 in Dresden, studierte in Jena Klassische Philologie, arbeitete von 1988-90 als Schauspieldramaturg am Landestheater Altenburg, 1990-92 am Altenburger Wochenblatt. 1993 halbjähriger Aufenthalt in St. Petersburg. Lebt mit Frau und zwei Töchtern in Berlin. 1995 erschienen im Berlin-Verlag 33 Augenblicke des Glücks, 1998 Simple Storys, 2005 Neue Leben, 2007 Handy – Dreizehn Geschichten in alter Manier. Helmar Penndorf und Ingo Schulze führten 1993 einen ungewöhnlichen Dialog zwischen Altenburg in Thüringen und St. Petersburg: Die Freunde tauschten Fax-Briefe aus – Ingo Schulze schickt Berichte vom Petersburger Alltag, Helmar Penndorf antwortet mit Zeichnungen, in denen er Nos, die Nase, auftreten ließ. Als Ingo Schulze sich am 2. Januar 1993 in Altenburg von seinem Freund verabschiedete, um für ein halbes Jahr nach St. Petersburg zu gehen, war ungewiß, wann und ob sie sich wiedersehen würden. Der schwerkranke Helmar Penndorf war schon sehr geschwächt; Ingo Schulze sollte im Auftrag eines Privatmannes in Petersburg ein Anzeigenblatt herausgeben. Mit den Briefen, die sie einander mangels besserer Möglichkeiten per Fax übermittelten, setzten die Freunde ein Gespräch fort, das 1989 bei den Aktionen des Neuen Forums begonnen hatte: Er habe Penndorfs Anwesenheit dort als »erlösend« empfunden, schreibt Ingo Schulze. »Wir gehörten zur selben Sprachfamilie.« Die so entstandenen Briefe, erzählte Skizzen aus dem Petersburger Alltag der 90er Jahre und die gezeichneten Antworten, denen man die Anstrengungen, unter denen sie geboren wurden, nicht ansieht, zeugen von einer zärtlichen und warmherzigen Freundschaft – und von einem ganz ungewöhnlichen zeichneri­schen Talent. »Obwohl ich Helmar als einen ständig Zeichnenden kannte …, begriff ich erst in den letzten Monaten, wie lebensbestimmend diese >KritzeleienErzähl das nicht, schreib es auf…< Helmars Erwartung zwang mich, genauer hinzusehen und das Erlebte zu artikulieren. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, abends zu Hause erwartet zu werden«, bemerkt Ingo Schulze in seinem kurzen Vorwort. Drei Tage, nachdem er die letzte Zeichnung nach St. Petersburg gefaxt hatte, starb Helmar Penndorf. 1994 stellte Olaf Wegewitz eine Auswahl seiner Arbeiten im Kunstverein Rödersdorf aus. Die Korrespondenz, die fast auf den Tag genau den letzten Lebensmonat von Helmar Penndorf umfaßt, erschien zunächst – mit einfachsten Mitteln, ohne Verlag, ohne Vertrieb – als Begleitbuch. »Daß die Nase, sprich Nos, nun auch zwischen den Seiten der Friedenauer Presse spazieren gehen darf, hätte wohl ihr zeichnungsberechtigter Schöpfer – unbenommen einiger Ermahnungen, sich nicht zu keck aufzuführen – letztlich befürwortet. Gemeinsam hoffen wir, daß auch Nikolaj Gogol dem Büchlein (aus dem nun ein richtiges Buch geworden ist) seine Zustimmung nicht versagen wird.«

Helmar Penndorf, Ingo Schulze

Von Nasen Faxen und Ariadnefäden

Zeichnungen und Fax-Briefe
128 S. / Englische Broschur
ISBN 978-3-932109-16-4

2000
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