Stempowski, Jerzy: Von Land zu Land

Jerzy Stempowski, 1894 in Krakau geboren, 1969 in Bern gestorben, ist einer der bedeutendsten polnischen Essayisten des 20. Jahrhunderts. Aufgewachsen in einem toleranten, adligen Elternhaus – sein Vater war linksliberaler Publizist und Freimaurer – im ehemals polnischen Teil der Ukraine, war Stempowski zeitweilig Diplomat, dann Universitätslehrer für Theaterwissenschaften und schließlich, nach seiner Flucht vor den Deutschen in die Schweiz dort Übersetzer (Pasternaks Doktor Schiwago) und Literaturkritiker der polnischen Exilzeitschrift Kultura. Dem vielsprachigen »Kosmopolen« – eine Wortschöpfung Andrzej Bobkowskis – war Nationalismus lebenslang fremd: »In meiner Heimat, im Tal des mittleren Dnjestr, sprachen die Landadligen polnisch, die Bauern ukrainisch, die Beamten russisch mit Odessaer Akzent, die Kaufleute jiddisch, die Zimmerleute und Tischler und Altgläubigen russisch mit Novgoroder Akzent, und auch die Schweinehändler hatten ihre eigene Mundart.« Der vorliegende Band stellt drei seiner essayistischen Erzählungen oder erzählenden Essays – Gattungen, die bei ihm schwer zu trennen sind – vor: Im Tal des Dnjestr, Berditschewer Essay und Bibliothek der Schmuggler. Erzählungen über die kulturelle Vielfalt des östlichen Mitteleuropas zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie prägende Leseerlebnisse auf der Flucht während des Zweiten Weltkriegs. Heute wird sein breit gefächertes Werk – bestehend aus biographischen Erzählungen, Reisetagebüchern, Briefen, Reflexionen über Kunst und Geschichtsphilosophie – in Polen neu verlegt und von der jungen Schriftstellergeneration, etwa von Andrzej Stasiuk, begeistert rezipiert und neben Witold Gombrowicz, Czeslaw Mislosz und Zbigniew Herbert gestellt. »Der Reiz seiner klugen, scheinbar mühelos geschriebenen Betrachtungen besteht darin, daß sie so grundverschieden sind von dem nervösen Rhythmus der Gegenwart, weltenweit entfernt von fanatischen Ideologien. In der Art der Skeptiker des achtzehnten Jahrhunderts führt er den Glauben an die außerordentlichen Qualitäten unserer Zeit ad absurdum. Nationalismus, Militarismus und Antisemitismus sind Formen von Selbstüberhebung und werden der rächenden Hand der Vorsehung nicht entgehen.« Czeslaw Milosz (Literaturnobelpreisträger) »Aus einem Grenzgebiet kommend, hat er viele Grenzen überschritten und ein grenzenloses Interesse für die gei­stesgeschichtlichen Verwerfungen  entwickelt, die sein ruhiger Blick in entspannter Prosa, die ganz beiläufig kulturhistorische Tiefenschichten aufdeckt, seiner Augenzeugenschaft im europäischen Raum abliest. Fast immer geht dieser erzählende, ja geradezu bedachtsam flanieren­de Essayist von selber Erlebtem oder Erinnertem aus … «Frankfurter Rundschau

Jerzy Stempowski

Von Land zu Land

Aus dem Polnischen übersetzt von Agnieszka Grzybkowska. Herausgegeben von Basil Kerski.

32 S. / 24,0 x 16,0 cm / fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-932109-49-2

vergriffen

12,00 €

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