Zongyuan, Liu: Am Törichten Bach

Im vierten Jahr der Ära Yuanhe – in der christlichen Welt schreibt man das Jahr 809 – steigt der in den äußersten Süden des Tang-Reiches strafversetzte Liu Zongyuan (773-819) auf den Westberg bei Yongzhou und betrachtet vom Gipfel aus die wilde Schönheit der südchinesischen Landschaft. Dieses Erlebnis, ein halbes Jahrtausend vor Petrarcas Besteigung des Mont Ventoux, inspiriert Liu Zongyuan zur Erkundung der Naturschönheiten an seinem Verbannungsort und zu Prosaminiaturen, die zu den Kleinodien der Weltliteratur zählen. Liu Zongyuan entstammte einer alten Aristokratenfamilie. Schon als junger Mann machte er eine glänzende Karriere am Kaiserhof und brachte es bis zum Vizedirektor des Ritenministeriums. In der Politik jedoch wurde ihm seine Reformfreude zum Verhängnis: Wegen seiner Teilnahme an gescheiterten Reformplänen wurde er im Jahre 805 an den noch weitgehend von Eingeborenenstämmen bewohnten Südrand des Tang-Reiches verbannt, wo er 819 starb. Der größte Teil seines Werks entstand in diesen Jahren der Verbannung. Liu leitete, mit Freunden zusammen, eine eigentliche Renaissance der chinesischen Prosaliteratur ein. Statt den etablierten, in geziertem Formalismus erstarrten »Parallelstil« fortzuführen, knüpfte er an die Prosa-Meister des Altertums an, nahm auch umgangssprachliche Elemente auf und entlieh seine Stoffe unmittelbar der eigenen Lebenswelt. Das verleiht seinen Texten ihre eigenartige, bis heute zu spürende Frische. Der vorliegende Druck vereinigt erstmals in deutscher Sprache die bekanntesten Stücke des großen Prosameisters der chinesischen Literatur, ergänzt um Han Yus Grabschrift für Liu sowie einige Landschaftsgedichte Liu Zongyuans, denen der Dichter Jürgen Theobaldy ihre lyrische Form gegeben hat.

Liu Zongyuan

Am Törichten Bach

Aus dem Chinesischen von Raffael Keller.
32 S. / 24,0 x 16,0 cm / fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-932109-45-4
vergriffen
12,00 €

Nicht vorrätig

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